Zwölf Sekunden Schwerelosigkeit.
12 Sekunden… Zwölf Sekunden in der Schwerelose.
So würde das Erlebnis, welches wohl als das positivste des Tage geltend gemacht werden kann, umschrieben werden um wirklich überzeugend positiv zu klingen.
Ich startete einen Zwischenflashback nach sechzehn Stunden (und gefühlten 57.600 Sekunden) mit Hilfe von stichpunktartigen Bilderfetzen des Erlebten.
Und ich konnte nach fünf Minuten intensivsten Denkens, mit Übereinstimmung meiner beiden Persönlichkeiten, festhalten das die zwölf Sekunden zwischen genau…
12:41:24 Uhr bis 12:41:36 Uhr.
…die besten meines Tages waren.
In diesen Sekunden passierte, in dezent umschriebener Form, folgendes Ereignis:
Ein cremigweicher texanischer Brotteig, gefüllt mit einer industriell hergestellten Bohnenmaismischung, landete elegant in meiner Mundhöhle und wurde zärtlich mit meinen Schneidewerkzeugen zerteilt.
In diesem Moment der Brotteigzerteilung überzogen meine Augenlieder geschmeidig meine Pupille. Explosionsartig schoss Speichel aus den Drüsen meiner Wangeninnenseite.
Ein unbeschreibliches Gefühl von Schwerelosigkeit und gesetzloser Freiheit durchzog meinen Körper und wickelte meinen Geist in einen stimulierenden Zustand.
Zügig, fast schreckhaft, öffneten sich meine Augen. Ich sah meinen Blick in der Reflexion des Schminkspiegels meines Firmenwagens. Der Blick, der mir von der Person im Spiegelbild entgegengeworfen wurde, sah aus wie im Rausch der Liebeslust.
Ich brauchte mehr. Das gleiche Gefühl.
Also folgte: Mund auf, Augen zu, Industrieelemente in den Mund -> Garten Eden.
Dann, Verkehrsnachrichten. Ich wurde zurückgeschmettert in die Realität -> Raststätte -> Deutschland -> meine selbsternannte Mittagspause endete hiermit.
Was passierte ungeschminkt?
Langsames Kauen gefolgt von einem bierbongartigem Restverzehr.
Der Moment vorbei, 12 Sekunden verstrichen, Bifi Texas Ranger verzehrt.
Es ist witzig und seltsam, sozusagen komisch.
Der Tag verlief banal und abgestumpfte Emotionen wurden puristisch verteilt auf genau 16 Stunden.
Doch nachdem ein Resümee im überhitztem Fahrzeug auf einer viel zu langen Autobahn durch den Kopf ging, kamen Gefühle hoch, die im Moment der Schwerelose durch die „Alltagsblindheit“ nicht zu erkennen waren.
Ein guter Tag. (Nachrichten: Immer mehr Deutsche trauen sich, sich zu trauen.)
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~ von hummerpladde - 2009/08/24.
Veröffentlicht in Alltag, Ironie, Psychisch
Schlagwörter: Alltagsblindheit, Emotionen, Schwerelosigkeit
